Nimbus2000, oder wie man einen Hexenbesen entstört…

Veröffentlicht: Januar 7, 2017 in Gemischt, I-Net-Links, Persönliches
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Ohne Frage handelt es sich bei dem „Nimbus 2000“ um einen sehr bekannten Renn-Hexenbesen:

nimbusskizze nimbusfoto
nimbuslogoSeine „genialen“ und überzeugenden Flugeigenschaften veranlasste unzählige kommerzielle und private Hersteller, entsprechende Nachbauten anzufertigen. Die Besen eignen sich natürlich besonders für die in den „Harry Potter“ – Filmen gezeigten „Quidditch“-Turniere:


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Ich möchte mit diesem Blog-Beitrag Besitzer eines in der Realwelt erhältlichen „Hexenbesens“ motivieren, zum Beispiel die Reparatur der Stromversorgung selbst zu wagen. Dies spart viel Geld und eine Menge Plastikschrott, kommt also unserer Umwelt zu Gute. Sollte mir zukünftig die „einfache“ Reparatur anderer Gegenstände ebenfalls gelingen, werde ich diesen Beitrag entsprechend fortführen…:

Seite 2: Reparatur eines Braun – Series 3 – Akkurasierers (Modell 6522)


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Ich bezeichne die AEG Ergorapido Akku Staubsauger als Hexenbesen, weil diese Geräte aufgrund ihres Gewichtes auch von jeder Frau sehr leicht und „kabellos“ zu benutzen sind.  Upppsss…  Zu frech? Egal!   🙂
Wir besitzen in der Familie meines Wissens mindestens fünf dieser „Elektro-Besen“, zwei davon befinden sich in unserem eigenen Haushalt. Wer mehr über diese Sauger wissen möchte kann sich diesen ausführlichen Test durchlesen oder folgendes Video sichten:


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Wie geschrieben erklärt dieser Beitrag „meinen“ Weg, die Stromversorgung eines AEG – Staubsaugers zu entstören. Dies wurde notwendig, weil eines der beiden Geräte nach 4 Jahren nicht mehr funktionierte und ich uns die Neuanschaffung aus Müll- und Kostengründen ersparen wollte. Unsere beiden „Besen“ werden jeweils von einem 18V-Lithium-Ionen-Akkumulator angetrieben, zumindest steht dies auf jedem Gehäuse. Wer einen Lötkolben sein Eigen nennt, diesen auch noch benutzen kann, dem sollte die Reparatur problemlos gelingen. Ich hatte endlich mal wieder die Gelegenheit meine Lötstation auf Funktion zu prüfen. Im Alter von 14 Jahren (jetzt bin ich 42!) hat mir mein Vater seine selbst gebaute Station überlassen. Sie verfügt über eine Automatikabschaltung und unterstützt 6V- bzw. 12V-Lötkolben. Dazu gab es damals noch einen „Lebensvorrat“ Löt-Zinn:

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Die Stromversorgung des Saugers befindet sich ausschließlich im Handteil. Dieses kann nach dem Entfernen des Staubauffangbehälters durch Lösen von 5 Kreutzschlitzschrauben auf der Unterseite geöffnet werden:

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Auf dem letzten Foto erkennt man sehr schnell, dass der Betriebsstrom nicht aus einem 18V-Akku, sondern von fünf einzelnen im Handteil verbauten Akku-Zellen bereitgestellt wird. Dies macht den Austausch nicht unbedingt einfacher, es ist aber auch nicht unmöglich. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese fünf Zellen in Reihe geschalten sind, um die angegebenen 18V Betriebsspannung zu erreichen. Bei den im Sauger verbauten Akkus handelt es sich um Samsung-Zellen vom Typ INR18650-15L:

samsungoriginalzelleDiese 3,7V/1500 mAh-Zellen besitzen an jedem Ende Lötfahnen, was den Aus- bzw. Einbau vereinfachen sollte. Der Stückpreis von aktuell 13,90€ war mir allerdings zu teuer. Und wenn man sich schon mal die Mühe macht diesen Akku-Tausch durchzuführen, warum sollte man dann nicht auch gleich Zellen mit einer höheren Kapazität verbauen? Also machte ich mich im Netz auf die Suche nach geeigneten und günstigen Ersatzakkus.

Fündig wurde ich bei „akkuteile.de“. Ich bestellte fünf neue Samsung Zellen mit einer Kapazität von jeweils 2500mAh zu einem Stückpreis von 4,25€. Einziger Wermutstropfen bei diesen Zellen ist, dass die Lötfahnen fehlen. Da ich ein gutes Zinn zum löten verwende, sollte dies aber kein größeres Problem darstellen. „AkkuTeile.de“ versendet im übrigen schnell und die Versandverpackung der Zellen war sehr gut:

      austauschzelle 2016-11-20-17-21-18

Ein wichtiger Hinweis!
Konzentriert Euch beim Austausch der Zellen unbedingt auf die richtige Polarität. Ich hatte ursprünglich eine Zelle versehentlich falsch eingelötet. Im Ergebnis hat das Laden nicht funktioniert und ich musste diese Zelle nochmals ausbauen, drehen und umlöten. Ohne Schaltplan findet man in diesem Verkabelungs-Adernfarben-Wirrwar keine korrekte Polaritätszuordnung. Eine „Verpolung“ erkennt man sofort, nachdem der Sauger mit den neuen Akkus das erste Mal auf die Ladestation gestellt wurde. Die Lade-LED´s springen von Beginn an zwischen dem 2. und 3. LED-Balken hin und her:

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Sind alle Akkuzellen korrekt verbaut und angeschlossen, dann leuchten die LED´s von Anfang an beginnend beim Balken 1, über den Balken 2 bis hin zum dritten Balken:

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Kommen wir mal zum Wesentlichen…

Schaut Euch zuerst genau an wie die fünf Zellen im Sauger verteilt und angeschlossen sind. Macht am besten vor dem Tausch einige Foto´s. Dies kann unter Umständen beim Zusammenbau sehr nützlich sein:

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Ihr erkennt das die Pole/Lötfahnen der Zellen jeweils mit einem kleinen selbstklebenden runden Gummiplättchen geschützt sind. Hebt die Gummis auf und bringt sie nach Austausch der Zellen vor dem Einbau wieder an. Klebt so ein Gummi nicht mehr richtig, dann verwendet einfach übliches Isolationsband als Kontaktschutz. Im nächsten Schritt hebt vorsichtig das Gebläse und die Platine aus der Führung. Achtet bitte auf die „Up“-Markierung (unter dem Staub auf dem kleinen rechten Bild oben zu erahnen   🙂 ) an dem schwarzen Gebläserahmen. Ihr müsst das Teil beim Zusammenbau unbedingt wieder genau so einsetzten, sonst lässt sich das Gehäuse nicht mehr sauber verschließen:

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Nun geht es ans Eingemachte…
Entnehmt vorsichtig die erste der drei Zellen aus der Kunststoffhalterung. Löst die Gummiabdeckungen und merkt Euch die Polarität bzw. welche Adern zu welchem Pol geführt sind. Ich habe im nächsten Schritt die Lötfahne der alten Zellen mit einer Kombizange „abgerissen“. Dies ersparte mir, dass ich die knapp bemessenen Adern verlängern bzw. neu in bspw. Kabelschuhe verpressen musste. Auf dem rechten Foto sieht man, dass die alte Lötfahne durch meine Gewaltanwendung mehrfach gerissen ist. Dies spielt beim Auflöten auf die neue Zelle keine Rolle. Die Lötfahnen waren auf den alten Akkus aufgenietet. Nun ja, ich missbrauche die Lötanschlüsse auch in gewisser Weise…

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Anschließend „verzinnt“ beide Pole der neuen Zelle. Keine Angst, es bleibt auf jedem Pol ein wenig Zinn haften. Dadurch ist es einfacher die jeweiligen Lötfähnen „polungsrichtig“ an die neuen Zellen zu löten. Nun klebt die Isolation auf beide Akku-Enden und setzt unter Beachtung der Adernführung die neue Zelle in die korrekte Kunststoffhalterung. Gleiches macht ihr bitte mit den beiden anderen Zellen:

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Jetzt könnt ihr das Gebläse und die Platine wieder „korrekt“ ins Gehäuse einsetzen. Ich schreibe dies nochmal ganz bewusst, weil das 4. Foto oben kein „Up“ zeigt und ich somit beim ersten Versuch des Zusammenbaus genau aus diesem Grund den Gehäusedeckel nicht passend anbringen konnte. Ich musste die Gebläseeinheit um 180° drehen, danach war alles in Ordnung. Die „Up“-Markierung ist mir einfach wegen dem vielen Staub zu spät aufgefallen…

Widmen wir uns nun noch den beiden fehlenden Zellen welche übereinander im Griffteil verbaut sind. Eigentlich macht ihr hier nichts anders. Ihr hebt die Zellen vorsichtig aus der Kunststoffhalterung. Beachtet bitte, dass der Minuspol beider Zellen mit einer einzigen Lötfahne verbunden ist. Diese war aber auch mit etwas Fingerspitzengefühl von den alten Zellen relativ „heile“ ab zu bekommen und ich konnte meine beiden neuen Zellen wieder erfolgreich damit verbinden. Nach dem Anlöten der Plus-Pole, dem Isolieren und dem anschließenden Einsetzen der Akkus in die Kunststoffhalterung sollte die Entstörung eigentlich abgeschlossen sein…

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Natürlich nur, wenn ihr alle Akkus polungsrichtig, elektrisch leitfähig miteinander verbunden und das Gehäuse wieder verschlossen bzw. verschraubt habt…


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Abschließend zeige ich euch noch, dass auch das neuere Modell „AEG ECO Li 35 ULTIMATES Ergorapido AG 3013“ ähnlich aufgebaut ist und auf die gleiche Art entstört werden könnte:

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Beachtet, dass sich die Adernfarben von Generation zu Generation unterscheiden, vermutlich um derartige Instandsetzungsmaßnahmen zu unterbinden. Auf dem linken Foto erkennt ihr übrigens sehr gut die beschriebene „Up“-Markierung auf dem schwarzen Gebläsering.

Es ist ein Unterschied ob ich ein wenig Zeit und 25€ oder ab 180€ aufwärts für einen neuen Hexenbesen investiere. Für mich hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt. Durch die höhere Akkukapazität verlängert sich die Saugzeit und auch die Saugkraft nimmt subjektiv gefühlt etwas zu…

In diesem Sinne, viel Spaß beim basteln…  🙂


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Kommentare
  1. Tim sagt:

    Danke für den Bericht! Ich stehe grade vor dem selben Problem und hatte mich nur gefragt, ob ich auch die 25R-Zellen einbauen kann. Gut zu wissen, dass dies offenbar problemlos funktioniert.

    Im genannten Shop gibts diese Akkus (mittlerweile) übrigens auch mit Lötfahnen.

    Das schon verdrahtete Original-Ersatz-Akkupack kostet bei AEG übrigens um die 75 EUR. Da macht der Selbstbau gleich noch mehr Spaß. 🙂

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